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Nichts gelernt – Abbruch vor Beginn

Bezirksamt und Senatsverwaltung überfordert

Am Donnerstag dem 06. April musste das Stadtentwicklungsamt Pankow die Informationsveranstaltung „Städtebauliche Planung Michelangelostraße – Präsentation und Dialog“ vor Beginn abbrechen, da der Quartierspavillon in der Thomas-Mann-Straße völlig überfüllt war und noch viele Bürger*innen vor der Tür Einlass begehrten.

Eine Déjà vu. Bereits im März 2015, als die Vorstellung der Nichts gelernt – Abbruch vor Beginn weiterlesen

Michelangelostraße in Geisel-Haft

planlos und rücksichtslos

Mitte April verkündete Bau-Senator Geisel (SPD) neuerlich, dass an der Michelangelostraße eines von zwölf neuen großen Wohnquartieren mit 2.500 Wohnungen entstehen soll. Der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbes „Wohnen an der Michelangelostraße“ plante 1.700 Wohnungen. Er löste wegen der Massivität der geplanten Bebauung und der damit verbundenen Beeinträchtigung der bestehenden Wohnqualitäten erhebliche Proteste aus. Das Bezirksamt Pankow zeigte inzwischen Bereitschaft, die Planungen zu korrigieren. Auf der Nordseite sollen die neuen Wohnhäuser von der bestehenden Wohnbebauung erheblich abgerückt werden. Letztlich wird man auch auf der Südseite nicht darum herumkommen, die Wohnungsanzahl auf ein städtebaulich verträgliches Maß zu reduzieren. Die vielen anderen offenen Fragen, wie etwa nach dem ruhenden Verkehr und nach der stadtklimatischen Wirkung, wären dann aber immer noch nicht geklärt.
Angesichts dessen mutet die medial inszenierte neuerliche Geisel-Ankündigung anachronistisch an. Sie ist wohl nur als panische Wahlkampfinszenierung der regierenden SPD zu verstehen. Man hat die soziale Wohnungs- zur Neubaufrage – bauen, bauen, bauen – deklariert und zum politischen Maßstab für die Koalition erhoben. Jetzt muss man liefern, wenn auch nur in medienwirksamen Ankündigungsveranstaltungen. Zwar erkennen immer mehr Berliner*innen, dass die vielen neuen Wohnungen weder preiswert sind noch den Preisanstieg im Wohnungsbestand stoppen werden. Damit lösen sich aber die stadtunverträglichen und nicht sozialen Neubauprogramme nicht einfach in Luft auf. Denn es gibt handfeste Renditeinteressen, die auf dieser sozialdemokratischen Neubaukampagne surfen.
Natürlich werden nicht all die angekündigten Wohnsiedlungen gebaut werden, denn dazu reichen die Subventionstöpfe der öffentlichen Hand nicht aus. Aber solange es eine kaufkräftige Nachfrage gibt, finden sich auch private und öffentliche Investoren, die ohne Fördermittel in einigen Stadtlagen renditefest bauen können und wollen. Für diese dürfte der Standtort Michelangelostraße von größerem Interesse sein als andere auf der Geisel-Liste. Im Interesse einer vernünftigen Stadtentwicklung und einer sozialen Wohnungspolitik ist es wünschenswert, dass die SPD nach dem 18. September nicht mehr die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung regiert.
Michail Nelken

Conrad-Blenke-Straße

Kiez mit Taut, aber ohne Mitte

Das Wohngebiet zwischen Conrad-Blenkle-Straße und Danziger Straße ist zwar nach außen durch die Ringbahn und große Straßen deutlich abgetrennt, aber eine richtige Kiezwahrnehmung will nicht entstehen. Vermutlich weil dem Kiez die identitätsstiftende Mitte fehlt. Auch die größeren Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in Randlagen. Der Sportkomplex, der dem Kiez eine Prägung hätte geben können ist vom Kiez abgewandt und „versteckt“ platziert. Das ist die Kehrseite der völlig verfehlten Berliner Bewerbung für Olympia 2000. Um die olympiaskeptischen Berliner nicht zusätzlich durch protzige Hallenbauten aufzubringen, hat man diese versteckt. Sie sollten sich kaum sichtbar in die Stadtlandschaft einfügen. Nicht nur die Olympiabewerbung scheiterte, sondern auch das städtebauliche Konzept – zu Lasten des Kiezes an der Conrad-Blenkle-Straße.

 

Bruno Taut

Dabei verfügt der Kiez über prägende Wohnanlagen von architektonisch besonderer Qualität. Zwischen Erich-Boltze- und Paul-Heise-Straße entlang der Ernst-Fürstenbergstraße befindet sich ein Ensemble-Denkmal, welches aus drei Elementen besteht: a) der zwischen 1926 und 1928 errichteten Wohnanlage der Architekten Mebes und Emmerich, b) einer Wohnanlage der Gehag, die Bruno Taut 1926/27 errichtete, und c) dem beeindruckenden Vorhof (1930) zur Wohnanlage von Taut als Gartendenkmal. Bruno Taut war ebenfalls Architekt der an der Rudi-Arndt-Str. gelegenen Wohnanlage. Die 104. und 159. Gemeindeschule zwischen der Rudi-Arndt-Str. und der Paul-Heyse-Str. war schon 20 Jahre zu vor von Herrmann Blankenstein gebaut worden.

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Tesla-Gemeinschaftsschule

Die 2010 eingerichtete Gemeinschaftsschule Tesla platzt aus allen Nähten. Viele Aufgaben können nur unter schwierigen Bedingungen und mit viel Improvisation erfüllt werden, weil es an Fachräumen, der Sporthalle und einer Schulmensa fehlt. Pläne für Sanierung und Erweiterung werden seit Jahren aufgestellt, umgeplant und verworfen. Es mangelte immer wieder an einer ausreichenden Finanzierung. IMG_0059Da war es für den außenstehenden Betrachter unverständlich, dass all die Jahre das leerstehende Schulgebäude an der Conrad-Blenkle-Straße verfiel. Nunmehr hat sich die Schulverwaltung entschlossen, das Gebäude abzureißen und an dessen Stelle mobile temporäre Unterrichtsräume in Leichtbauweise zu errichten. Angesichts dessen, dass vielerorts Schulgebäude dieses SK-Typs sehr attraktiv umgebaut und modernisiert wurden und das mit einem relativ überschaubaren Kostenaufwand, ist dieses Vorgehen für mich nicht nachzuvollziehen.

 

Stellplatzanlagen

IMG_0057Die zur Diskussion stehende zukunftige Nutzung der öffentlichen Stellplatzanalgen an der Conrad-Blekle-Str. wird die Lebens- und Wohnsituation noch einmal stark beeinflussen. Bezirksstadtrat Kirchner strebte im Rahme des bezirklichen Wohnungsbauflächenkonzepts   unterstützt von Grünen und SPD die Bebauung der Stellplatzanlagen mit Wohnhäusern an. Inzwischen wurden diese Bestrebungen erst einmal auf Eis gelegt, weil die Schulverwaltung diese Flächen zur Deckung des Schulplatzdefizits nutzen will. Gleich welche Nutzungsvorstellungen sich am Ende durchsetzen, müsen zwei Fragen beantwortet werden: A) Welche Auswirkung hat der Wegfall der KfZ- Stellplätze auf die Situation des riúhenden Verkehrs im Wohngebiet und wie kann er erforderlichenfalls angemessen kompensiert werden. B) Welche Anforderungen gehen von der neuen Nutzung an die öffentliche Infrastruktur aus. Das scheint zwar selbstverständlich, aber das Bezirksamt Pankow hat dies bei seinen bisherigen hektischen Wohnungsneubaukonzepten, z.B. für den Thälmannpark und die Michelangelostr., gerade nicht geleistet. Was die wütenden Proteste der Anwohner ausgelöst hat. Sie zu diffamieren, wie es Baustadtrat Kirchner tut, wenn er polemisiert, dass ihm Wohnungen wichtiger seien, als Abstellplätze für Blech, ist völlig deplatziert. Politische Stadtentwicklung ist ein Abwägen von unterschiedlichen Anforderungen und Interessen. Wobei nicht alle gleichrangig sind. Aber dieser Abwägungsprozess muss ergebnissoffen, vernünftig und demokratisch vollzogen werden. „Glaubensbekenntnisse“ helfen dabei nicht weiter.

 

Sport- und Schulkomplex

Die andere große Fläche im Kiez die noch einer Neuordnung bedarf, ist der Sport- und Schulkomplex zwischen Conrad-Blenkle-Straße und Ringbahn, das alte TSC-Gelände mit Sportschule und Internat. Die Ruine des Internatsgebäudes ist die sichtbare Mahnung, dass hier schleunigst etwas passieren muss. IMG_0165
Mit dem Neubau der Sporthallen an der Kniprodestraße ist ein erster Schritt getan. Ich unterstütze die Idee, dass im Rahmen der Neuordnung entlang der S-Bahn in Verlängerung des Anton-Saefkow-Parks ein Geh- und Radweg geschaffen wird. Wenn Wegverbindung zwischen dem Thälmannpark und dem Anton-Saefkow-Park über die Greifswalder hergestellt wird, hätte man auf diese Weise einen durchgehenden Rad- und Wanderweg entlang der Ringbahn bis nach Lichtenberg.

Das Wohnquartier an der Conrad-Blenkle-Straße hat nicht nur eine Interessante Vergangenheit, sondern auch eine spannende Zukunft, für die bürgerschaftliches Engagement gebraucht wird. Das will ich unterstützen und fördern.

Grüne Stadt

Grüne Stadt

Wir bezeichnen als Wohnquartier Grüne Stadt im Wahlkreis 9 das gesamte Gebiet zwischen Ringbahn und Danzigerstraße und zwischen Kniprode- und der Greifswalder Straße.Bildschirmfoto 2016-08-16 um 16.59.35 Die „Grüne Stadt“ ist genau genommen nur die Wohnanlage zwischen der John-Schehr- und der Anton-Saefkow-Straße, die 1937/38 von der Gemeinnützigen Siedlungsbaugesellschaft Berlin (GSW) nach den Plänen des Architekten Werner Harting errichtet wurde. Da der Krieg die Fertigstellung blockierte, erfolgte diese erst nach dem Ende des von Nazi-Deutschland entflammten zweiten Weltkrieges. Der untere Teil der Wohnanlage „Grünen Stadt“ zwischen Greifswalder und Eugen-Schönhaar-Str. steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. (siehe hier).

Der erbitterte Widerstand von Wehrmacht und SS gegen die Rote Armee in den letzten Kriegstagen hat entlang der Kniprodestraße eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Wohnblöcke entlang der Straße versanken in Schutt und Asche. Die Bebauung zwischen Kniprodestraße und Hans-Otto-Straße ist deshalb eine Nachkriegsbebauung. Dagegen weist das Karree John-Schehr-, Bötzow-, Danziger-, Greifswalder Straße die typische Gründerzeit Bebauung des Bötzowviertels auf. Entsprechend differenziert sind auch die Wohnungsprobleme der Mieter im Kiez. Wobei hier die Eigentümerschaft die entscheidende Rolle spielt.

Wohnen im Kiez

Die vormals kommunale GSW wurde 2004 verkauft und die Käufer der GSW haben die beiden äußeren Blöcke der Grünen Stadt weiterverkauft und die mittleren einer Eigentumswohnungsvermarktung zugeführt. Seit einiger Zeit betreiben die neuen Eigentümer den Verkauf der Wohnungen in der denkmalgeschützten Anlage. Das verbreitet unter den Mietern verständlicherweise Unruhe und Ängste. Aber die Mieter sollten nicht kopfscheu die Flucht ergreifen, sondern sich beraten lassen und solidarisch organisieren. Der Verkauf der Wohnung berührt den Mietvertrag nicht. Viele Käufer sind Anleger, die die Wohnung weiterhin vermietet sehen wollen. Auch Eigenbedarfsklagen von angeblichen oder tatsächlichen Selbstnutzern ist der Mieter nicht rechtlos ausgeliefert. Eine gute Mieterselbstorganisation hilft allen weiter und macht stark.

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Die kommunale Gewobag ist vor allem Eigentümer der Nachkriegsbauten. Sie baut im Kiez derzeit auch neu. An der Ecke Eugen-Schönhaar- / Bernhard-Lichtenberg-Straße errichtet sie ein Wohnhaus mit …. Wohnungen. Preiswert sind diese allerdings nicht. IMG_0086 IMG_0080

Besser sind die Bewohner im Neubauprojekt der Genossenschaft Selbstbau John-Schehr- Ecke Bötzowstraße gefahren. Diese Grundstücke mit dem Bestandshaus an der Ecke hat die Gewobag an die Genossenschaft veräußert. Die Bestandsmieter haben eine für den Kiez sehr günstige Miete, die Neumieter zahlen zwar auch eine relativ hohe Quadratmetermiete, aber diese ist 10 Jahre und mehr unveränderlich. Aus diesem Grund wollen viele Mieter der Gewobag, die derzeit im Prenzlauer Berg von Sanierungsvorhaben betroffen sind, mit „ihrem Haus“ zu einer Genossenschaft wie der Selbstbau eG. fliehen. Das ist ein sicheres Anzeichen, dass in der Berliner Wohnungspolitik etwas grundsätzlich falsch läuft.

Das Wohngebiet ist heute sehr gefragt. Nicht nur weil die Mieten im Bötzowviertel oder im Winskiez galoppieren, sondern weil es durch seine überwiegend relativ aufgelockerte Bebauung und den angrenzenden Anton-Saefkow-Park eine besondere Wohnqualität ausmacht: Mittendrin und doch ein ganzes Stück ruhiger und grüner als sonst im Prenzlauer Berg. Hinzu kommt eine dem Grunde nach gute Ausstattung mit Schulen und Kita. Nunmehr soll mit öffentlichen Fördermitteln die Situation weiter verbessert werden.

Stadtumbaumittel für die Grüne Stadt

Seit dem letzten Jahr ist die Grüne Stadt – lange von der Bezirkspolitik vernachlässigt, wieder in den Blickpunkt gerückt. Formal ist das Wohngebiet zwar schon Bestandteil des Fördergebietes Prenzlauer Berg des Programms Stadtumbau Ost, aber die Fördermittel aus dem Programm flossen immer woanders hin. Der Sinneswandel hängt mit dem Versuch des Bezirks zusammen, Wohnungsneubauflächen zu entwickeln. Die Anwohnerinitiative Thälmannpark forderte, das Gebiet einer städtebaulichen Gesamtbetrachtung zu unterziehen. Dem folgte das Bezirksamt zunächst widerwillig. Dies kam dann aber den Überlegungen entgegen, das Gewerbegebiet an der Ringbahn östlich der Greifswalder Str. auch als Wohnungsneubaufläche zu entwickeln. Das wurde nun angesichts der langfristigen Nutzungsabsichten des Grundstückseigentümers erst einmal ad acta gelegt.

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Im Jahre 2015 wurde ein Vertiefungskonzept für die Grüne Stadt erarbeitet auf dessen Grundlage nun auch hier mit Fördermitteln des Programms Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur durchgeführt werden sollen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Schulen, Aufwertungen des öffentlichen Straßenraums und die grundlegende Sanierung des Anton-Saefkow-Parks. Dazu gab es bereits mehrere öffentliche Veranstaltungen. Die Anteilnahme der Anwohner ist m.E. noch sehr ausbaufähig. Wenn man die „Fachplaner“ unter sich lässt, wird oftmals – so meine Erfahrung – zu viel Geld für Unnötiges ausgegeben.

IMG_7252Vielleicht können diese Unterlagen, die eine oder den anderen Anwohner/in animieren sich in die Gestaltung des Kiezes Grüne Stadt einzubringen.

Komponistenviertel

Veränderung und Kontinuität

Das Komponistenviertel zeichnet sich durch eine besondere bauliche Vielschichtigkeit aus. Auf dem kaum veränderten historischen Stadtgrundriss dieses Teils von Weißensee, südlich der Berliner Alle zwischen Gürtel- und Indira-Gandhi-Straße gelegen, findet man heute Bauwerke aus unterschiedlichen Bauphasen der letzten 150 Jahre nebeneinander. Es gibt vorstädtische 2-geschossige Landhäuser mit Hofanlagen und Remisen, neben Wohnhäusern mit überwiegend vier Geschossen aus unterschiedlichen Jahrzehnten: die „Charlotte – Siedlung“ aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Zeilenbauten aus den 50 und 60er Jahre, die Baugruppen-Neubauten aus den letzten 15 Jahren, zum Wohnen umgenutzte Gewerbebauten und die Eigentumswohnungsanlagen aus jüngster Zeit.

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Ein großer Teil des Komponistenviertels war Teil des 1994 festgesetzten Sanierungsgebietes Weißensee Komponistenviertel. Im Rahmenplan waren die Ziele formuliert. Als im Jahre 2010 das Sanierungsgebiet wieder aufgehoben wurde, hatte sich das Gebiet stark verändert. Einige dem Senat wichtige Ergebnisse sind in der Dokumentation eines Rundgang dargestellt. Ein Schwerpunkt der öffentlich finanzierten Aufwertung war die Sanierung und Neuschaffung von öffentlichen Infrastruktureinrichtungen wie das Kultur- und Bildungszentrum am Antonplatz mit Musikschule, Bibliothek und Volkshochschule, die Sanierung der Picasso-Grundschule, der Neubau der Sporthalle in der Smetanastraße, die Herrichtung der Jugendfreizeiteinrichtung in der Mahlerstraße und die Sanierung und Neuerrichtung von Kitas und Spielplätzen.

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Die staatlich geförderte Aufwertung des Gebietes zog den Anstieg der Mietpreise und sozialen Veränderungen und Verdrängungsprozessen nach sich. Die Bauherrengemeinschaft müssen für ihre Wohnneubauten erhebliche Eigenkapitalbeiträge aufbringen, die sich Berliner mit geringen Einkommen nicht leisten können. Auch Eigentumswohnungen ob in den Pucchinihöfen, den Komponistengärten oder in der Wohnanlage Gounod 47-57 sind für Haushalte mit Durchschnittseinkommen, nicht erschwinglich. – Aber dennoch kann man im Komponistenviertel insbesondere in den Wohnhäusern der Charlottenburger Baugenossenschaft, der Wohnungsgenossenschaft „Weißensee“ eG und der Gesobau auch noch preiswertere Wohnungen finden. Die Gentrifizierung hat zwar aus dem Prenzlauer Berg kommend auch das Komponistenviertel erfasst und verändert, aber dies geschah nicht mit einer solchen Radikalität und Homogenität wie in den Sanierungsgebieten im Prenzlauer Berg.

 

Unverträgliche Nachverdichtung  Bildschirmfoto 2016-08-13 um 00.47.15

Um so mehr scheint es heute geboten die erreichte Qualitäten zu schützen. Das Komponistenviertel ist bei Investoren begehrt. So droht eine renditefixierte Verdichtung, die diese Qualitäten wieder zerstören kann. Hier wäre eine weitsichtige Steuerung des Pankower Bauamts erforderlich. Der „Grüne“ Baustadtrat ist aber eher betonfreundlich. Dass nun ausgerechnet die kommunale Gesobau mit Wohlwollen des Bezirksamtes in der Gounodstraße 25 in zweiter Reihe Ein- und Zweifamilienhäuschen in den grünen Blockinnenbereich betonieren will, ist schon sehr erklärungsbedürftig. Damit verschlechtert man nicht nur die Wohn- und Lebensbedingungen der unmittelbaren Nachbarn aus der Gounod- und der Meyerbeerstr., sondern schafft ein fatales Beispiel für die zukünftige Entwicklung im Komponistenviertel. Der kreative und konstruktive Widerspruch der Nachbarn fand bei Bezirksamt und Gesobau kein Gehör. Mein Antrag in der BVV wurd von der SPD-Grünen-Mehrheit abgelehnt.

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Jahrelanger Leerstand  IMG_0111

Geradezu anachronistisch mutet demgegenüber der seit Jahren andauernde Leerstand im Wohnhaus Meyerbeer- Ecke Smetanastraße an. Auf Grund von Nachfragen von Bürgern ist das Bezirksamt in diesem Jahr endlich aktiv geworden. Das ernüchternde Ergebnis. Es hat den Leerstand bis Ende des Jahres 2016 genehmigt, weil der Eigentümer versichert hat, dass er jetzt endlich das Haus kurzfristig sanieren wolle. (Siehe meine Kleinen Anfragen zum Leerstand in der Smetanastr. 23) Die Unhaltbarkeit dieses Situation erscheint um so drastischer, wenn man sich die Lebensumstände vor Augen führt, in denen Menschen in der nur wenige Schritte entfernten Flüchtlingsunterkunft in einer Sporthalle leben müssen.

 

Andenken an das Jüdische Leben BerlinsIMG_0109

Der südlich am Komponistenviertel angrenzende Jüdische Friedhof ist einer der größten Europas. Ein Gang über den Friedhof wird für den aufmerksamen Besucher zum Gang durch die Berliner Geschichte. „Im Himmel unter der Erde“ heißt ein berührender Film, den Britta Wauer über den Jüdischen Friedhof gemacht hat.

Der Friedhof ist heute ein würdiger Ort der Erinnerung an jüdisches Leben in Berlin. Dagegen ist die Situation am Gedenkstein für die ermordeten Juden des früheren „Arbeitshauses“ in der Smetanastr. 53 unwürdig. Das Haus ist heute ein saniertes Wohnhaus. Der Gedenkstein, der an die Ermordung der letzten jüdischen Bewohner des Hauses erinnert, ist hinter den stets geschlossenen Zaun in Unsichtbarkeit entrückt. Ein unhaltbarer Zustand.

IMG_0122 IMG_0120 Hier befand sich
ein judisches
Arbeitsheim.
1943 wurden
die 180 Insassen
vergast.
Vergesst es nie

 

Gesperrter Spielplatz Solonplatz  IMG_0145

Ein augenfälliger Missstand ist die Situation auf dem Solonplatz. Der Spielplatz ist wegen der fehlenden Verkehrssicherheit der Spielgeräte gesperrt und die gesamte Anlage ist in einem sehr ungepflegten Zustand. Dem Bezirksamt, so Bezirksstadtrat Kirchner, fehlen die Mittel um die Anlage zu sanieren. Das ist schon ein merkwürdiger Kontrast zu den aufwendigen teuren Gehwegvorstreckungen an einer Reihe von Kreuzungen im Viertel.

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