Archiv der Kategorie: Wahllkreis

Neuer Kirchgang

Dialog zur städtebaulichen Planung Michelangelostraße II

IMG_6796 (1)Zur Wiederholung der am 06. April wegen des zu großen Publikumsandrangs abgebrochenen Diskussionsveranstaltung über den aktuellen Stand der Fortentwicklung der Planungen zum Wohnungsneubauvorhaben „Wohnen an der Michelangelostraße“ lädt das Bezirksamt Pankow nun am 27.04. 2017 um 18:30 Uhr in die Gethsemanekirche. Ob das Bezirksamt realisiert hat, dass das Raumproblem in einem direkten Zusammenhang mit dem Inhalt und dem Gestus der Ankündigung lag ist nicht erkennbar. Allerdings gibt es ein kleines Zeichen. Der de facto wortgleiche Einladungstext hat einen Zusatz bekommen: NEUSTART. – Es ist zu hoffen, dass das nicht nur ein taktisches Etikett ist. Neuer Kirchgang weiterlesen

Nichts gelernt – Abbruch vor Beginn

Bezirksamt und Senatsverwaltung überfordert

Am Donnerstag dem 06. April musste das Stadtentwicklungsamt Pankow die Informationsveranstaltung „Städtebauliche Planung Michelangelostraße – Präsentation und Dialog“ vor Beginn abbrechen, da der Quartierspavillon in der Thomas-Mann-Straße völlig überfüllt war und noch viele Bürger*innen vor der Tür Einlass begehrten.

Eine Déjà vu. Bereits im März 2015, als die Vorstellung der Nichts gelernt – Abbruch vor Beginn weiterlesen

Bürgerwut an der Michelangelostraße

Die BVV hat schon manchen Bürgerprotest erlebt. Was sich aber am 12. Februar zur Sitzung des Ausschuss für Stadtentwicklung entlud, war außergewöhnlich heftig. „Verarschung“, „Verdunkelung“, „Betrug“, „korrupte und unfähige Politiker“ – mit diesen Worten machten zahlreichen Besuchern ihrer Wut Luft. Über 200 Bürger waren gekommen. In den Tagungsraum passten nur wenige Besucher rein. Das heizte den Unmut an. (siehe Video unten) Der Tagesordnungspunkt, der so viele auf die Beine gebracht hatte, war die Vorstellung des Ergebnisses eines städtebaulichen Wettbewerbs zur neuen Wohnbebauung an der Michelangelostraße. Die Behandlung des Tagesordnungspunktes musste abgesetzt werden.

In einer Sondersitzung am 10. März im BVV Saal wurde die Vorstellung, wieder unter großer Beteiligung von Anwohnern, Bürgerwut an der Michelangelostraße weiterlesen

Michelangelostraße in Geisel-Haft

planlos und rücksichtslos

Mitte April verkündete Bau-Senator Geisel (SPD) neuerlich, dass an der Michelangelostraße eines von zwölf neuen großen Wohnquartieren mit 2.500 Wohnungen entstehen soll. Der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbes „Wohnen an der Michelangelostraße“ plante 1.700 Wohnungen. Er löste wegen der Massivität der geplanten Bebauung und der damit verbundenen Beeinträchtigung der bestehenden Wohnqualitäten erhebliche Proteste aus. Das Bezirksamt Pankow zeigte inzwischen Bereitschaft, die Planungen zu korrigieren. Auf der Nordseite sollen die neuen Wohnhäuser von der bestehenden Wohnbebauung erheblich abgerückt werden. Letztlich wird man auch auf der Südseite nicht darum herumkommen, die Wohnungsanzahl auf ein städtebaulich verträgliches Maß zu reduzieren. Die vielen anderen offenen Fragen, wie etwa nach dem ruhenden Verkehr und nach der stadtklimatischen Wirkung, wären dann aber immer noch nicht geklärt.
Angesichts dessen mutet die medial inszenierte neuerliche Geisel-Ankündigung anachronistisch an. Sie ist wohl nur als panische Wahlkampfinszenierung der regierenden SPD zu verstehen. Man hat die soziale Wohnungs- zur Neubaufrage – bauen, bauen, bauen – deklariert und zum politischen Maßstab für die Koalition erhoben. Jetzt muss man liefern, wenn auch nur in medienwirksamen Ankündigungsveranstaltungen. Zwar erkennen immer mehr Berliner*innen, dass die vielen neuen Wohnungen weder preiswert sind noch den Preisanstieg im Wohnungsbestand stoppen werden. Damit lösen sich aber die stadtunverträglichen und nicht sozialen Neubauprogramme nicht einfach in Luft auf. Denn es gibt handfeste Renditeinteressen, die auf dieser sozialdemokratischen Neubaukampagne surfen.
Natürlich werden nicht all die angekündigten Wohnsiedlungen gebaut werden, denn dazu reichen die Subventionstöpfe der öffentlichen Hand nicht aus. Aber solange es eine kaufkräftige Nachfrage gibt, finden sich auch private und öffentliche Investoren, die ohne Fördermittel in einigen Stadtlagen renditefest bauen können und wollen. Für diese dürfte der Standtort Michelangelostraße von größerem Interesse sein als andere auf der Geisel-Liste. Im Interesse einer vernünftigen Stadtentwicklung und einer sozialen Wohnungspolitik ist es wünschenswert, dass die SPD nach dem 18. September nicht mehr die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung regiert.
Michail Nelken

Conrad-Blenke-Straße

Kiez mit Taut, aber ohne Mitte

Das Wohngebiet zwischen Conrad-Blenkle-Straße und Danziger Straße ist zwar nach außen durch die Ringbahn und große Straßen deutlich abgetrennt, aber eine richtige Kiezwahrnehmung will nicht entstehen. Vermutlich weil dem Kiez die identitätsstiftende Mitte fehlt. Auch die größeren Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in Randlagen. Der Sportkomplex, der dem Kiez eine Prägung hätte geben können ist vom Kiez abgewandt und „versteckt“ platziert. Das ist die Kehrseite der völlig verfehlten Berliner Bewerbung für Olympia 2000. Um die olympiaskeptischen Berliner nicht zusätzlich durch protzige Hallenbauten aufzubringen, hat man diese versteckt. Sie sollten sich kaum sichtbar in die Stadtlandschaft einfügen. Nicht nur die Olympiabewerbung scheiterte, sondern auch das städtebauliche Konzept – zu Lasten des Kiezes an der Conrad-Blenkle-Straße.

 

Bruno Taut

Dabei verfügt der Kiez über prägende Wohnanlagen von architektonisch besonderer Qualität. Zwischen Erich-Boltze- und Paul-Heise-Straße entlang der Ernst-Fürstenbergstraße befindet sich ein Ensemble-Denkmal, welches aus drei Elementen besteht: a) der zwischen 1926 und 1928 errichteten Wohnanlage der Architekten Mebes und Emmerich, b) einer Wohnanlage der Gehag, die Bruno Taut 1926/27 errichtete, und c) dem beeindruckenden Vorhof (1930) zur Wohnanlage von Taut als Gartendenkmal. Bruno Taut war ebenfalls Architekt der an der Rudi-Arndt-Str. gelegenen Wohnanlage. Die 104. und 159. Gemeindeschule zwischen der Rudi-Arndt-Str. und der Paul-Heyse-Str. war schon 20 Jahre zu vor von Herrmann Blankenstein gebaut worden.

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Tesla-Gemeinschaftsschule

Die 2010 eingerichtete Gemeinschaftsschule Tesla platzt aus allen Nähten. Viele Aufgaben können nur unter schwierigen Bedingungen und mit viel Improvisation erfüllt werden, weil es an Fachräumen, der Sporthalle und einer Schulmensa fehlt. Pläne für Sanierung und Erweiterung werden seit Jahren aufgestellt, umgeplant und verworfen. Es mangelte immer wieder an einer ausreichenden Finanzierung. IMG_0059Da war es für den außenstehenden Betrachter unverständlich, dass all die Jahre das leerstehende Schulgebäude an der Conrad-Blenkle-Straße verfiel. Nunmehr hat sich die Schulverwaltung entschlossen, das Gebäude abzureißen und an dessen Stelle mobile temporäre Unterrichtsräume in Leichtbauweise zu errichten. Angesichts dessen, dass vielerorts Schulgebäude dieses SK-Typs sehr attraktiv umgebaut und modernisiert wurden und das mit einem relativ überschaubaren Kostenaufwand, ist dieses Vorgehen für mich nicht nachzuvollziehen.

 

Stellplatzanlagen

IMG_0057Die zur Diskussion stehende zukunftige Nutzung der öffentlichen Stellplatzanalgen an der Conrad-Blekle-Str. wird die Lebens- und Wohnsituation noch einmal stark beeinflussen. Bezirksstadtrat Kirchner strebte im Rahme des bezirklichen Wohnungsbauflächenkonzepts   unterstützt von Grünen und SPD die Bebauung der Stellplatzanlagen mit Wohnhäusern an. Inzwischen wurden diese Bestrebungen erst einmal auf Eis gelegt, weil die Schulverwaltung diese Flächen zur Deckung des Schulplatzdefizits nutzen will. Gleich welche Nutzungsvorstellungen sich am Ende durchsetzen, müsen zwei Fragen beantwortet werden: A) Welche Auswirkung hat der Wegfall der KfZ- Stellplätze auf die Situation des riúhenden Verkehrs im Wohngebiet und wie kann er erforderlichenfalls angemessen kompensiert werden. B) Welche Anforderungen gehen von der neuen Nutzung an die öffentliche Infrastruktur aus. Das scheint zwar selbstverständlich, aber das Bezirksamt Pankow hat dies bei seinen bisherigen hektischen Wohnungsneubaukonzepten, z.B. für den Thälmannpark und die Michelangelostr., gerade nicht geleistet. Was die wütenden Proteste der Anwohner ausgelöst hat. Sie zu diffamieren, wie es Baustadtrat Kirchner tut, wenn er polemisiert, dass ihm Wohnungen wichtiger seien, als Abstellplätze für Blech, ist völlig deplatziert. Politische Stadtentwicklung ist ein Abwägen von unterschiedlichen Anforderungen und Interessen. Wobei nicht alle gleichrangig sind. Aber dieser Abwägungsprozess muss ergebnissoffen, vernünftig und demokratisch vollzogen werden. „Glaubensbekenntnisse“ helfen dabei nicht weiter.

 

Sport- und Schulkomplex

Die andere große Fläche im Kiez die noch einer Neuordnung bedarf, ist der Sport- und Schulkomplex zwischen Conrad-Blenkle-Straße und Ringbahn, das alte TSC-Gelände mit Sportschule und Internat. Die Ruine des Internatsgebäudes ist die sichtbare Mahnung, dass hier schleunigst etwas passieren muss. IMG_0165
Mit dem Neubau der Sporthallen an der Kniprodestraße ist ein erster Schritt getan. Ich unterstütze die Idee, dass im Rahmen der Neuordnung entlang der S-Bahn in Verlängerung des Anton-Saefkow-Parks ein Geh- und Radweg geschaffen wird. Wenn Wegverbindung zwischen dem Thälmannpark und dem Anton-Saefkow-Park über die Greifswalder hergestellt wird, hätte man auf diese Weise einen durchgehenden Rad- und Wanderweg entlang der Ringbahn bis nach Lichtenberg.

Das Wohnquartier an der Conrad-Blenkle-Straße hat nicht nur eine Interessante Vergangenheit, sondern auch eine spannende Zukunft, für die bürgerschaftliches Engagement gebraucht wird. Das will ich unterstützen und fördern.