Berliner Untote. IBA – Zombie schleicht wieder durch die Stadt

Mitte der 1990er Jahre, als die Stadtregenten davon ausgingen, dass die Stadt binnen kurzem auf 4 Mio. Einwohner wachsen würde, kamen sie auf die famose Idee einer „Bauausstellung 1999“, mit der die Elisabethaue mit einer großen Siedlung von Ein- und Zweifamilienhäuser bebaut werden sollte. Damit wollte man der Landflucht ins Brandenburgische begegnen. Die Stadt wuchs nicht und die Errichtung des Speckgürtels nahm seinen Lauf. Heute will der Senat auf der Elisabethaue einige Tausend Wohnungen 4- bis 8-geschossigen Wohnblocks errichten – und Bauausstellung.

In den 2000 Jahren nahmen Politiker gemeinsam mit Verbandsvertretern von Architekten und Bauingenieuren mehrfach Anlauf, um der Stagnation des Berliner Städtebaus mit einer IBA zu begegnen: IBA 2020, IBA 2025, IBA 2030 –  alle Blasen platzten mehr oder weniger rasch. – Aber jetzt im März 2026 beschloss der scheidende Senat endlich eine IBA 2034-2037 zu veranstalten. Die CDU IBA-Lobbyisten haben es geschafft, Anerkennung. Sie haben viele Jahre das Projekt beharrlich thematisiert. 2018 bis 2022 sind sie merhmals an der Missgunst von Rot-Rot-Grün gescheitert. Der letzte Anlauf mit einem Abgeordnetenhaus-Antrag wurde im Oktober 2022 von der erschlaffenden rotgrünroten Koalition ohne Aussprache im Plenum des Abgeordnetenhauses beerdigt. Für den Antrag stimmte nur die CDU.

Nun also auf ein Neues. Die bislang angestrebte IBA Berlin-Brandenburg ist out. Die IBA 2034-37 soll ein neues Thema haben: die urbane Transformation der Metropole. „Ausgangspunkt für die IBA Berlin 2034-37 ist die gewachsene und bestehende Stadt mit ihren Gebäuden, Infrastrukturen und Freiräumen sowie ihrem metropolen Verflechtungsraum. Hierin soll das „Weiterbauen“ in allen seinen Formen einer zukunftsweisenden und differenzierten Betrachtung durchgeführt werden.“ Das Umland wird nur noch als Ziel der Berliner Radialen betrachtet?  „Die potenziellen IBA-Standorte konzentrieren sich beidseitig entlang des S-Bahnrings sowie den Radialen. Die Areale liegen an den Übergängen zwischen innerer und äußerer Stadt und bündeln komplexe städtebauliche, soziale und infrastrukturelle Herausforderungen.“

Führt man sich die vom Senat anvisierten Standorte für die große IBA-Transformation der Stadt vor Augen, ahnt man nichts Gutes. Selbst wenn man Optimist ist und erwartet, dass dieser Senat Ende das Jahres abtritt, so bleibt doch die Frage wozu braucht Berlin eine IBA? Warum können nicht Politik und Verwaltungsspitzen einfach ihre Arbeit machen, ohne mehr oder wenig kostspielige Event-Inszenierungen. Zwar wird eine IBA viel weniger kosten als eine Olympiade; und die Chancen für den nachhaltigen Nutzen der im Rahmen der IBA geschaffenen Bauwerke größer sein könnten. Aber angesichts des Schicksals einiger IBA-Bauten der letzten Berliner IBA (1984-87) sind auch hierfür erhebliche Zweifel angebracht. Wie dem auch sei, Inszenierungskosten des Events sind vermeidbare Mehrausgaben.

Erst einmal soll eine „IBA- Gesellschaft“ gegründet werden, mit Personal- und Sachbudget, die „die Ausstellung vorbereitet, kuratiert und die Projekte durch alle Realisierungsphasen begleitet.“ Die Berliner Verwaltung hat für so etwas keine Kompetenzen und kein Geld. Die scheidende Regierung wird sicher den Anstand besitzen, noch keine Stellenbesetzungen in dieser Gesellschaft vorzunehmen.

Eine IBA deren Nutzen für die innovative Transformation Berlins dem Publikum von Christian Gaebler nahegebracht wird, ist in jedem Fall ein berlintypischer Fehlstart beschieden. Verschwindet die Untote IBA wieder schnell in ihre Ablage?

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