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Grüne Stadt

Grüne Stadt

Wir bezeichnen als Wohnquartier Grüne Stadt im Wahlkreis 9 das gesamte Gebiet zwischen Ringbahn und Danzigerstraße und zwischen Kniprode- und der Greifswalder Straße.Bildschirmfoto 2016-08-16 um 16.59.35 Die „Grüne Stadt“ ist genau genommen nur die Wohnanlage zwischen der John-Schehr- und der Anton-Saefkow-Straße, die 1937/38 von der Gemeinnützigen Siedlungsbaugesellschaft Berlin (GSW) nach den Plänen des Architekten Werner Harting errichtet wurde. Da der Krieg die Fertigstellung blockierte, erfolgte diese erst nach dem Ende des von Nazi-Deutschland entflammten zweiten Weltkrieges. Der untere Teil der Wohnanlage „Grünen Stadt“ zwischen Greifswalder und Eugen-Schönhaar-Str. steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. (siehe hier).

Der erbitterte Widerstand von Wehrmacht und SS gegen die Rote Armee in den letzten Kriegstagen hat entlang der Kniprodestraße eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Wohnblöcke entlang der Straße versanken in Schutt und Asche. Die Bebauung zwischen Kniprodestraße und Hans-Otto-Straße ist deshalb eine Nachkriegsbebauung. Dagegen weist das Karree John-Schehr-, Bötzow-, Danziger-, Greifswalder Straße die typische Gründerzeit Bebauung des Bötzowviertels auf. Entsprechend differenziert sind auch die Wohnungsprobleme der Mieter im Kiez. Wobei hier die Eigentümerschaft die entscheidende Rolle spielt.

Wohnen im Kiez

Die vormals kommunale GSW wurde 2004 verkauft und die Käufer der GSW haben die beiden äußeren Blöcke der Grünen Stadt weiterverkauft und die mittleren einer Eigentumswohnungsvermarktung zugeführt. Seit einiger Zeit betreiben die neuen Eigentümer den Verkauf der Wohnungen in der denkmalgeschützten Anlage. Das verbreitet unter den Mietern verständlicherweise Unruhe und Ängste. Aber die Mieter sollten nicht kopfscheu die Flucht ergreifen, sondern sich beraten lassen und solidarisch organisieren. Der Verkauf der Wohnung berührt den Mietvertrag nicht. Viele Käufer sind Anleger, die die Wohnung weiterhin vermietet sehen wollen. Auch Eigenbedarfsklagen von angeblichen oder tatsächlichen Selbstnutzern ist der Mieter nicht rechtlos ausgeliefert. Eine gute Mieterselbstorganisation hilft allen weiter und macht stark.

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Die kommunale Gewobag ist vor allem Eigentümer der Nachkriegsbauten. Sie baut im Kiez derzeit auch neu. An der Ecke Eugen-Schönhaar- / Bernhard-Lichtenberg-Straße errichtet sie ein Wohnhaus mit …. Wohnungen. Preiswert sind diese allerdings nicht. IMG_0086 IMG_0080

Besser sind die Bewohner im Neubauprojekt der Genossenschaft Selbstbau John-Schehr- Ecke Bötzowstraße gefahren. Diese Grundstücke mit dem Bestandshaus an der Ecke hat die Gewobag an die Genossenschaft veräußert. Die Bestandsmieter haben eine für den Kiez sehr günstige Miete, die Neumieter zahlen zwar auch eine relativ hohe Quadratmetermiete, aber diese ist 10 Jahre und mehr unveränderlich. Aus diesem Grund wollen viele Mieter der Gewobag, die derzeit im Prenzlauer Berg von Sanierungsvorhaben betroffen sind, mit „ihrem Haus“ zu einer Genossenschaft wie der Selbstbau eG. fliehen. Das ist ein sicheres Anzeichen, dass in der Berliner Wohnungspolitik etwas grundsätzlich falsch läuft.

Das Wohngebiet ist heute sehr gefragt. Nicht nur weil die Mieten im Bötzowviertel oder im Winskiez galoppieren, sondern weil es durch seine überwiegend relativ aufgelockerte Bebauung und den angrenzenden Anton-Saefkow-Park eine besondere Wohnqualität ausmacht: Mittendrin und doch ein ganzes Stück ruhiger und grüner als sonst im Prenzlauer Berg. Hinzu kommt eine dem Grunde nach gute Ausstattung mit Schulen und Kita. Nunmehr soll mit öffentlichen Fördermitteln die Situation weiter verbessert werden.

Stadtumbaumittel für die Grüne Stadt

Seit dem letzten Jahr ist die Grüne Stadt – lange von der Bezirkspolitik vernachlässigt, wieder in den Blickpunkt gerückt. Formal ist das Wohngebiet zwar schon Bestandteil des Fördergebietes Prenzlauer Berg des Programms Stadtumbau Ost, aber die Fördermittel aus dem Programm flossen immer woanders hin. Der Sinneswandel hängt mit dem Versuch des Bezirks zusammen, Wohnungsneubauflächen zu entwickeln. Die Anwohnerinitiative Thälmannpark forderte, das Gebiet einer städtebaulichen Gesamtbetrachtung zu unterziehen. Dem folgte das Bezirksamt zunächst widerwillig. Dies kam dann aber den Überlegungen entgegen, das Gewerbegebiet an der Ringbahn östlich der Greifswalder Str. auch als Wohnungsneubaufläche zu entwickeln. Das wurde nun angesichts der langfristigen Nutzungsabsichten des Grundstückseigentümers erst einmal ad acta gelegt.

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Im Jahre 2015 wurde ein Vertiefungskonzept für die Grüne Stadt erarbeitet auf dessen Grundlage nun auch hier mit Fördermitteln des Programms Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur durchgeführt werden sollen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Schulen, Aufwertungen des öffentlichen Straßenraums und die grundlegende Sanierung des Anton-Saefkow-Parks. Dazu gab es bereits mehrere öffentliche Veranstaltungen. Die Anteilnahme der Anwohner ist m.E. noch sehr ausbaufähig. Wenn man die „Fachplaner“ unter sich lässt, wird oftmals – so meine Erfahrung – zu viel Geld für Unnötiges ausgegeben.

IMG_7252Vielleicht können diese Unterlagen, die eine oder den anderen Anwohner/in animieren sich in die Gestaltung des Kiezes Grüne Stadt einzubringen.