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Conrad-Blenke-Straße

Kiez mit Taut, aber ohne Mitte

Das Wohngebiet zwischen Conrad-Blenkle-Straße und Danziger Straße ist zwar nach außen durch die Ringbahn und große Straßen deutlich abgetrennt, aber eine richtige Kiezwahrnehmung will nicht entstehen. Vermutlich weil dem Kiez die identitätsstiftende Mitte fehlt. Auch die größeren Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in Randlagen. Der Sportkomplex, der dem Kiez eine Prägung hätte geben können ist vom Kiez abgewandt und „versteckt“ platziert. Das ist die Kehrseite der völlig verfehlten Berliner Bewerbung für Olympia 2000. Um die olympiaskeptischen Berliner nicht zusätzlich durch protzige Hallenbauten aufzubringen, hat man diese versteckt. Sie sollten sich kaum sichtbar in die Stadtlandschaft einfügen. Nicht nur die Olympiabewerbung scheiterte, sondern auch das städtebauliche Konzept – zu Lasten des Kiezes an der Conrad-Blenkle-Straße.

 

Bruno Taut

Dabei verfügt der Kiez über prägende Wohnanlagen von architektonisch besonderer Qualität. Zwischen Erich-Boltze- und Paul-Heise-Straße entlang der Ernst-Fürstenbergstraße befindet sich ein Ensemble-Denkmal, welches aus drei Elementen besteht: a) der zwischen 1926 und 1928 errichteten Wohnanlage der Architekten Mebes und Emmerich, b) einer Wohnanlage der Gehag, die Bruno Taut 1926/27 errichtete, und c) dem beeindruckenden Vorhof (1930) zur Wohnanlage von Taut als Gartendenkmal. Bruno Taut war ebenfalls Architekt der an der Rudi-Arndt-Str. gelegenen Wohnanlage. Die 104. und 159. Gemeindeschule zwischen der Rudi-Arndt-Str. und der Paul-Heyse-Str. war schon 20 Jahre zu vor von Herrmann Blankenstein gebaut worden.

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Tesla-Gemeinschaftsschule

Die 2010 eingerichtete Gemeinschaftsschule Tesla platzt aus allen Nähten. Viele Aufgaben können nur unter schwierigen Bedingungen und mit viel Improvisation erfüllt werden, weil es an Fachräumen, der Sporthalle und einer Schulmensa fehlt. Pläne für Sanierung und Erweiterung werden seit Jahren aufgestellt, umgeplant und verworfen. Es mangelte immer wieder an einer ausreichenden Finanzierung. IMG_0059Da war es für den außenstehenden Betrachter unverständlich, dass all die Jahre das leerstehende Schulgebäude an der Conrad-Blenkle-Straße verfiel. Nunmehr hat sich die Schulverwaltung entschlossen, das Gebäude abzureißen und an dessen Stelle mobile temporäre Unterrichtsräume in Leichtbauweise zu errichten. Angesichts dessen, dass vielerorts Schulgebäude dieses SK-Typs sehr attraktiv umgebaut und modernisiert wurden und das mit einem relativ überschaubaren Kostenaufwand, ist dieses Vorgehen für mich nicht nachzuvollziehen.

 

Stellplatzanlagen

IMG_0057Die zur Diskussion stehende zukunftige Nutzung der öffentlichen Stellplatzanalgen an der Conrad-Blekle-Str. wird die Lebens- und Wohnsituation noch einmal stark beeinflussen. Bezirksstadtrat Kirchner strebte im Rahme des bezirklichen Wohnungsbauflächenkonzepts   unterstützt von Grünen und SPD die Bebauung der Stellplatzanlagen mit Wohnhäusern an. Inzwischen wurden diese Bestrebungen erst einmal auf Eis gelegt, weil die Schulverwaltung diese Flächen zur Deckung des Schulplatzdefizits nutzen will. Gleich welche Nutzungsvorstellungen sich am Ende durchsetzen, müsen zwei Fragen beantwortet werden: A) Welche Auswirkung hat der Wegfall der KfZ- Stellplätze auf die Situation des riúhenden Verkehrs im Wohngebiet und wie kann er erforderlichenfalls angemessen kompensiert werden. B) Welche Anforderungen gehen von der neuen Nutzung an die öffentliche Infrastruktur aus. Das scheint zwar selbstverständlich, aber das Bezirksamt Pankow hat dies bei seinen bisherigen hektischen Wohnungsneubaukonzepten, z.B. für den Thälmannpark und die Michelangelostr., gerade nicht geleistet. Was die wütenden Proteste der Anwohner ausgelöst hat. Sie zu diffamieren, wie es Baustadtrat Kirchner tut, wenn er polemisiert, dass ihm Wohnungen wichtiger seien, als Abstellplätze für Blech, ist völlig deplatziert. Politische Stadtentwicklung ist ein Abwägen von unterschiedlichen Anforderungen und Interessen. Wobei nicht alle gleichrangig sind. Aber dieser Abwägungsprozess muss ergebnissoffen, vernünftig und demokratisch vollzogen werden. „Glaubensbekenntnisse“ helfen dabei nicht weiter.

 

Sport- und Schulkomplex

Die andere große Fläche im Kiez die noch einer Neuordnung bedarf, ist der Sport- und Schulkomplex zwischen Conrad-Blenkle-Straße und Ringbahn, das alte TSC-Gelände mit Sportschule und Internat. Die Ruine des Internatsgebäudes ist die sichtbare Mahnung, dass hier schleunigst etwas passieren muss. IMG_0165
Mit dem Neubau der Sporthallen an der Kniprodestraße ist ein erster Schritt getan. Ich unterstütze die Idee, dass im Rahmen der Neuordnung entlang der S-Bahn in Verlängerung des Anton-Saefkow-Parks ein Geh- und Radweg geschaffen wird. Wenn Wegverbindung zwischen dem Thälmannpark und dem Anton-Saefkow-Park über die Greifswalder hergestellt wird, hätte man auf diese Weise einen durchgehenden Rad- und Wanderweg entlang der Ringbahn bis nach Lichtenberg.

Das Wohnquartier an der Conrad-Blenkle-Straße hat nicht nur eine Interessante Vergangenheit, sondern auch eine spannende Zukunft, für die bürgerschaftliches Engagement gebraucht wird. Das will ich unterstützen und fördern.