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Alter Schlachthof

Schwein gehabt – Alter Schlachthof

Das Wohngebiet „Alter Schlachthof“ ist jung. Es entstand erst in den 2000er Jahren auf dem Betriebsgelände des ehemaligen VEB Fleischkombinats Berlin (FKB). „Zentralviehhof“ – wie die Berliner sagten, zumal die S-Bahnstation bis Mitte der 70er Jahre so hieß. 1990/91 erfolgten die Privatisierung des Betriebes und die umgehende Stilllegung. 1993 wurde das Gelände Teil der Olympiaphantasien der Berliner großen Koalition: Hier sollte das Medienzentrum von Olympia 2000 entstehen. Nach dem blamablen Aus für die Berliner Olympiabewerbung wurde das Gelände in die kaum weniger illusionäre Stadtentwicklungsplanung der CDU-SPD-Koalitionäre einbezogen. Das Gelände wurde als Entwicklungsgebiet festgesetzt und der neugegründeten Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße (s|es) das Gelände treuhänderisch zur Entwicklung übertragen. Sie hatte die Aufgabe das Gebiet zu beplanen, baureife Grundstücke zu entwickeln und zu vermarkten. Da sich rasch zeigte, dass die hochtrabenden Wachstumsprognose wenig realitätstauglich waren und die Entwicklungsgesellschaften die kalkulierten Bodenpreise zur Refinanzierung der Entwicklungskosten nicht werden erzielen können, begann der Senat Ende der 90er Jahre die Bebauungsziele für alle Entwicklungsgebiete zu reduzieren und den Entwicklungszeitraum zu strecken.

Das Entwicklungsgebiet Eldenaer Straße hatte Schwein, denn auf Grund von Komplikationen bei Bodenordnung verzögerte sich hier die Entwicklung erheblich, so dass ihm bestimmte Fehlentwicklung anderer Entwicklungsgebiete erspart blieb. Als im Jahre 2003 die neue rot-rote Regierung endgültig die Notbremse zog und den geordneten Ausstieg aus den Entwicklungsgebieten bis zum Jahre 2006 beschloss, war hier noch nicht all zu viel Irreparables in den Sand gesetzt worden. (offizielle Bilanzbroschüre des Senats)

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Schichtungen des Immobilienmarktes

Während heute Besucher im Angesicht der 3-geschossigen Stadthäuschen fragen, wie man mitten in der Stadt so verschwenderisch mit Boden umgehen könne, sagen sich die Eigentümer der „Townhouses“ im „Alten Schlachthof“: Schwein gehabt. Als die hohen Entwicklungserwartungen geerdet waren, propagierten Senator Strieder und der Senatsbaudirektor Stimmann das Townhouses für den neuen Stadtbürger. Die Bebauung des Friedrichswerder in Mitte wurde zum Vorzeigeprojekt. IMG_0035Im Entwicklungsgebiet Eldenaer Straße gab es die Townhouses für den kleineren Geldbeutel.

An der Wohnbebauung im Gebiet Alter Schlachthof kann man die Entwicklung auf dem Berliner Immobilienmarkt in den letzten 15 Jahren gut ablesen. Townhouses, Loft-Wohnungen in vormaligen Gewerberäumen, frei finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen im Geschosswohnungsbau mit zunehmenden Ausstattungsstandard.

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Die in der Vermarktung befindliche Eigentumswohnungsanlage „Mein Prenzelhain“ an der an der Hermann-Blankenstein-Straße zwischen Thaer- und Richard-Ermisch-Str. setzt einen fetten Schlusspunkt für die Wohnbebauung. – Schwein gehabt Alter Schlachthof, die Bebauung wäre bei einer anderen Marktlage im letzten Jahrzehnt sehr viel dichter und massiver ausgefallen.

IMG_0126Prenzlhain – mit Protesten, Juni 2016

Ungemach droht vom Rand

Von zwei Vorhaben am Rande drohen dem Wohngebiet Alter Schlachthof aktuell erhebliche Belastungen. Für das Einkaufs- und Kongresszentrum an der Landsberger Allee gibt es die ersten Baugenehmigungen. (siehe hier) Sicher kann man sich an dieser Stelle eine für das Wohngebiet nützlichere Nutzung vorstellen. Aber das Grundstück wurde bereits mehrfach verkauft und es besteht auf der Grundlage eines B-Planes aus dem Jahre 2003 dem Grunde nach auch Baurecht für eine derartige massive gewerbliche Nutzung. Dennoch kann die Antwort von Baustadtrat Kirchner auf meine Kleine Anfrage, dass auch hinsichtlich der verkehrliche Erschließung alles bedacht und geklärt sei, nicht überzeugen.

Eine Initiative von Anwohner lässt sich aber von alldem nicht entmutigen und streitet für eine andere, dem Gemeinwesen dienliche Nutzung. Nicht noch ’n Shoppingcenter, sagen sie, denn die Stadt gehört doch uns. Sie haben schon viel erreicht. Am 25.Januar 2017 hat die BVV einen von der Bürgerintiative initierten Antrag der eine Überprüfung der Planungsziele des B-Planes IV – 2a fordert mit großer Mehrheit beschlossen.

Hinzukommt das Projekt 17. Bauabschnitt A 100. Vermutlich habe viele Bewohner auf dem Alten Schlachthof noch gar nicht erkannt, dass eine Realisierung dieses Vorhabens auch für ihr Wohngebiet erhebliche negative Auswirkungen haben wird. Die A100 soll östlich des S-Bahnhofes in die Storkower Straße münden, wobei der Hautstrom des ankommenden Autoverkehrs über die Storkower in Richtung Landsberger Allee fließen soll. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Kreuzungen Thearstraße/Storkower und Storkower/Landsberger über die ja auch der Hauptteil des Besucher- und Lieferverkehrs des Einkaufs- und Kongresszentrums fließen soll. Es ist auch mit einer erheblichen Zunahme der Umgehungsverkehre, die die Kreuzung an der Landsberger Allee meiden wollen, zu rechnen.

Bislang war die SPD in Sachen A 100 nicht zu stoppen. Wenn es mit den kommenden Wahlen gelänge endlich die A 100 in Treptow zu stoppen, wäre das auch gut für das Wohnviertel Alter Schlachthof.

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Das Netzwerk gegen die Verlängerung der A 100 ist eine gute Adresse um sich zu informieren und sich einzubringen. A 100 stoppen!  (http://www.a100stoppen.de/)