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Komponistenviertel

Veränderung und Kontinuität

Das Komponistenviertel zeichnet sich durch eine besondere bauliche Vielschichtigkeit aus. Auf dem kaum veränderten historischen Stadtgrundriss dieses Teils von Weißensee, südlich der Berliner Alle zwischen Gürtel- und Indira-Gandhi-Straße gelegen, findet man heute Bauwerke aus unterschiedlichen Bauphasen der letzten 150 Jahre nebeneinander. Es gibt vorstädtische 2-geschossige Landhäuser mit Hofanlagen und Remisen, neben Wohnhäusern mit überwiegend vier Geschossen aus unterschiedlichen Jahrzehnten: die „Charlotte – Siedlung“ aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Zeilenbauten aus den 50 und 60er Jahre, die Baugruppen-Neubauten aus den letzten 15 Jahren, zum Wohnen umgenutzte Gewerbebauten und die Eigentumswohnungsanlagen aus jüngster Zeit.

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Ein großer Teil des Komponistenviertels war Teil des 1994 festgesetzten Sanierungsgebietes Weißensee Komponistenviertel. Im Rahmenplan waren die Ziele formuliert. Als im Jahre 2010 das Sanierungsgebiet wieder aufgehoben wurde, hatte sich das Gebiet stark verändert. Einige dem Senat wichtige Ergebnisse sind in der Dokumentation eines Rundgang dargestellt. Ein Schwerpunkt der öffentlich finanzierten Aufwertung war die Sanierung und Neuschaffung von öffentlichen Infrastruktureinrichtungen wie das Kultur- und Bildungszentrum am Antonplatz mit Musikschule, Bibliothek und Volkshochschule, die Sanierung der Picasso-Grundschule, der Neubau der Sporthalle in der Smetanastraße, die Herrichtung der Jugendfreizeiteinrichtung in der Mahlerstraße und die Sanierung und Neuerrichtung von Kitas und Spielplätzen.

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Die staatlich geförderte Aufwertung des Gebietes zog den Anstieg der Mietpreise und sozialen Veränderungen und Verdrängungsprozessen nach sich. Die Bauherrengemeinschaft müssen für ihre Wohnneubauten erhebliche Eigenkapitalbeiträge aufbringen, die sich Berliner mit geringen Einkommen nicht leisten können. Auch Eigentumswohnungen ob in den Pucchinihöfen, den Komponistengärten oder in der Wohnanlage Gounod 47-57 sind für Haushalte mit Durchschnittseinkommen, nicht erschwinglich. – Aber dennoch kann man im Komponistenviertel insbesondere in den Wohnhäusern der Charlottenburger Baugenossenschaft, der Wohnungsgenossenschaft „Weißensee“ eG und der Gesobau auch noch preiswertere Wohnungen finden. Die Gentrifizierung hat zwar aus dem Prenzlauer Berg kommend auch das Komponistenviertel erfasst und verändert, aber dies geschah nicht mit einer solchen Radikalität und Homogenität wie in den Sanierungsgebieten im Prenzlauer Berg.

 

Unverträgliche Nachverdichtung  Bildschirmfoto 2016-08-13 um 00.47.15

Um so mehr scheint es heute geboten die erreichte Qualitäten zu schützen. Das Komponistenviertel ist bei Investoren begehrt. So droht eine renditefixierte Verdichtung, die diese Qualitäten wieder zerstören kann. Hier wäre eine weitsichtige Steuerung des Pankower Bauamts erforderlich. Der „Grüne“ Baustadtrat ist aber eher betonfreundlich. Dass nun ausgerechnet die kommunale Gesobau mit Wohlwollen des Bezirksamtes in der Gounodstraße 25 in zweiter Reihe Ein- und Zweifamilienhäuschen in den grünen Blockinnenbereich betonieren will, ist schon sehr erklärungsbedürftig. Damit verschlechtert man nicht nur die Wohn- und Lebensbedingungen der unmittelbaren Nachbarn aus der Gounod- und der Meyerbeerstr., sondern schafft ein fatales Beispiel für die zukünftige Entwicklung im Komponistenviertel. Der kreative und konstruktive Widerspruch der Nachbarn fand bei Bezirksamt und Gesobau kein Gehör. Mein Antrag in der BVV wurd von der SPD-Grünen-Mehrheit abgelehnt.

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Jahrelanger Leerstand  IMG_0111

Geradezu anachronistisch mutet demgegenüber der seit Jahren andauernde Leerstand im Wohnhaus Meyerbeer- Ecke Smetanastraße an. Auf Grund von Nachfragen von Bürgern ist das Bezirksamt in diesem Jahr endlich aktiv geworden. Das ernüchternde Ergebnis. Es hat den Leerstand bis Ende des Jahres 2016 genehmigt, weil der Eigentümer versichert hat, dass er jetzt endlich das Haus kurzfristig sanieren wolle. (Siehe meine Kleinen Anfragen zum Leerstand in der Smetanastr. 23) Die Unhaltbarkeit dieses Situation erscheint um so drastischer, wenn man sich die Lebensumstände vor Augen führt, in denen Menschen in der nur wenige Schritte entfernten Flüchtlingsunterkunft in einer Sporthalle leben müssen.

 

Andenken an das Jüdische Leben BerlinsIMG_0109

Der südlich am Komponistenviertel angrenzende Jüdische Friedhof ist einer der größten Europas. Ein Gang über den Friedhof wird für den aufmerksamen Besucher zum Gang durch die Berliner Geschichte. „Im Himmel unter der Erde“ heißt ein berührender Film, den Britta Wauer über den Jüdischen Friedhof gemacht hat.

Der Friedhof ist heute ein würdiger Ort der Erinnerung an jüdisches Leben in Berlin. Dagegen ist die Situation am Gedenkstein für die ermordeten Juden des früheren „Arbeitshauses“ in der Smetanastr. 53 unwürdig. Das Haus ist heute ein saniertes Wohnhaus. Der Gedenkstein, der an die Ermordung der letzten jüdischen Bewohner des Hauses erinnert, ist hinter den stets geschlossenen Zaun in Unsichtbarkeit entrückt. Ein unhaltbarer Zustand.

IMG_0122 IMG_0120 Hier befand sich
ein judisches
Arbeitsheim.
1943 wurden
die 180 Insassen
vergast.
Vergesst es nie

 

Gesperrter Spielplatz Solonplatz  IMG_0145

Ein augenfälliger Missstand ist die Situation auf dem Solonplatz. Der Spielplatz ist wegen der fehlenden Verkehrssicherheit der Spielgeräte gesperrt und die gesamte Anlage ist in einem sehr ungepflegten Zustand. Dem Bezirksamt, so Bezirksstadtrat Kirchner, fehlen die Mittel um die Anlage zu sanieren. Das ist schon ein merkwürdiger Kontrast zu den aufwendigen teuren Gehwegvorstreckungen an einer Reihe von Kreuzungen im Viertel.

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